Geschäftsbericht
2025
Vorwort
Forschung und Lehre am Ostschweizer Kinderspital
Die nachfolgenden Projekte und Innovationen unterstreichen, dass Forschung und Lehre bei uns am Ostschweizer Kinderspital aktiv gelebt und sichtbar vorangetrieben werden. Wir sind stolz auf das ausserordentliche Engagement unserer Mitarbeitenden zur Weiterentwicklung der medizinischen Behandlung von Kindern und Jugendlichen.
Projekterfolg in der Kinderkrebs-Forschung
Prof. Dr. med. Katrin Scheinemann setzt sich für eine hohe Qualität in der Behandlung von Kinderkrebs ein. Sie leitete ein entsprechendes Projekt, wovon im Forschungsbericht der Krebsforschung Schweiz berichtet wird. Das Projekt hat Qualitätskriterien für die Behandlung von Kinderkrebs gesammelt, international verglichen und von Fachpersonen sowie Eltern bewerten lassen – so entsteht eine fundierte Basis für Qualitätskriterien, insbesondere auch im Hinblick auf HSM. Im Ostschweizer Kinderspital wird ein Testprojekt gestartet: Wir schauen, wie wir die Qualitätskriterien ohne grossen zusätzlichen Aufwand im klinischen Alltag erfassen können.
Unterstützungsbeitrag des Schweizerischen Nationalfonds SNF für die Diabetes Neuropathie Studie
Das Forschungsteam rund um PD Dr. med. Philip Broser hat vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) einen Unterstützungsbeitrag von 8800'000.- für ein vierjähriges Forschungsprojekt erhalten. Im Zentrum steht die Untersuchung des Zusammenhangs zwischen dem Management von Typ-1-Diabetes und der Nervenvitalität bei Kindern und Jugendlichen.
Künstliche Intelligenz für die 3D-Nervenrekonstruktion
PD Dr. med. Philip Broser und sein Team entwickeln neue Methoden zur dreidimensionalen Rekonstruktion des Nervus medianus auf Basis von Sonographie-Aufnahmen. Ziel ist es, den Nerven als 3D-Objekt darzustellen, um seine strukturelle Entwicklung über verschiedene Reifeprozesse hinweg zu untersuchen. Darüber hinaus sollen Einflüsse von Erkrankungen wie der spinalen Muskelatrophie sowie Auswirkungen neuer Therapieformen analysiert werden.
Ultraschall macht frühe Nervenveränderungen sichtbar
In einer kontrollierten Studie wurden 12 Kinder mit spinaler Muskelatrophie (SMA) mit 97 gesunden Kindern verglichen. Mithilfe eines besonders hochauflösenden Ultraschalls untersuchten die Forschenden einen wichtigen Armnerv (den Mittelnerv). Dabei zeigte sich, dass dieser Nerv bei Kindern mit SMA deutlich schmaler ist und Veränderungen in seiner Struktur aufweist. Das bedeutet, dass bei SMA nicht nur die Nervenzellen im Rückenmark betroffen sind, sondern auch die peripheren Nerven früher als bisher angenommen mitverändert werden. Der hochauflösende Ultraschall erweist sich damit als schonende, schmerzfreie und gut durchführbare Methode, um Nervenveränderungen bei Kindern frühzeitig zu erkennen und den Krankheitsverlauf besser zu beurteilen.
Künstliche Intelligenz hilft, den Krankheitsverlauf bei Duchenne besser vorherzusagen
Im Rahmen eines Doktoratsprojekts wurde ein neues Prognosemodell entwickelt, das mithilfe von künstlicher Intelligenz den Krankheitsverlauf bei Kindern mit Duchenne-Muskeldystrophie besser vorhersagen soll. Ziel ist es abzuschätzen, wann betroffene Kinder voraussichtlich ihre Gehfähigkeit verlieren. Das Modell berücksichtigt dabei auch genetische Informationen und stützt sich auf umfangreiche Daten aus einem grossen italienischen Register von Duchenne-Patienten. Auf dieser Basis konnten bereits erste Modelle entwickelt werden, die den typischen Verlauf der Erkrankung abbilden. Aktuell werden diese Ergebnisse mit Daten aus einem britischen Register überprüft. In Zukunft sollen weitere europäische Register einbezogen werden, um die Vorhersagen noch genauer zu machen und die Betreuung der betroffenen Kinder weiter zu verbessern.
Fortschritte in der Bewegungsanalyse
Das Labor für Bewegungsanalyse hat im Jahr 2025 unter der Leitung von PD Dr. med. Nathalie Alexander mehrere Arbeiten veröffentlicht, die sich mit der Bewegung von Kindern und Jugendlichen beschäftigen. Dabei wurde untersucht, wie genau moderne 3D-Bewegungsanalysen sind – also Messungen, die Bewegungen dreidimensional erfassen – und wie gut sie mit klassischen Röntgenaufnahmen der Beine übereinstimmen. Ausserdem wurde analysiert, wie sich unterschiedlich lange Beine auf das Gangbild auswirken und ob Kinder dadurch ungleichmässig gehen. Weiter wurde geprüft, wie das Körpergewicht (BMI), die Drehstellung des Oberschenkelknochens und die Beweglichkeit der Hüfte zusammenhängen. Diese Erkenntnisse helfen Ärztinnen und Ärzten, Bewegungsauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen besser zu verstehen und gezielter zu behandeln.
Erfolgreiche Kongresse und Auszeichnung
Im Weiteren hat das Team des Labors für Bewegungsanalyse im Frühjahr 2025 erfolgreich den internationalen GAMMA-Kongress organisiert. Zudem richtete das Kinderorthopädie-Team im November das SwissPOS-Meeting aus, das ebenfalls sehr erfolgreich durchgeführt werden konnte. Darüber hinaus wurde Johannes Cip beim Kinderorthopädie-Kongress 2025 in Stuttgart für seinen Vortrag «Arbeitsbelastung, Stress und Burnout in der Kinder- und Jugendorthopädie: Eine Online-Umfrage in der DACH-Region» mit dem Vortragspreis ausgezeichnet.
Schonende Frakturbehandlung
In der Kindertraumatologie kommen neu selbstauflösende Implantate aus speziellem Kunststoff zum Einsatz, etwa Nägel und Schrauben zur Stabilisierung von Knochenbrüchen. Wir zählen zu den wenigen kindertraumatologischen Zentren in der Schweiz, die solche Implantate verwenden. Ihr grosser Vorteil: Sie bauen sich im Körper ab, sodass keine zweite Operation zur Entfernung nötig ist – zusätzliche Belastungen sowie Operations- und Narkoserisiken für die Kinder entfallen. Der Eingriff selbst unterscheidet sich kaum von einer Behandlung mit Metallimplantaten. Begleitend läuft eine Studie in Zusammenarbeit mit der Radiologie; zudem sind zwei Fallberichte geplant. Die Kindertraumatologie beteiligt sich ausserdem an einem schweizweiten Register für schwere Verletzungen bei Kindern und Jugendlichen und plant den Aufbau eines von uns koordinierten Wirbelsäulenregisters mit weiteren Schweizer Spitälern
Kinder- und Jugendurologie
Der Fachbereich beteiligte sich an einer internationalen Multizenterstudie der ESPU (European Society of Pediatric urology) zur Antibiotikaprophylaxe und zum Infektionsrisiko nach Zystoskopie (35 Patienten aus dem OKS). Die Auswertung läuft noch. Als Folgeprojekt ist die Teilnahme an einer weiteren ESPU-Studie zu Hypospadie-Operationen geplant. Zusätzlich ist eine interne Auswertung der postoperativen Behandlung vorgesehen.
Neuartige Beatmungsmethode NAVA auf der Intensivstation
Neben vielen innovativen Betreuungsansätzen evaluiert das OKS als erstes Spital in der Deutschschweiz die neuartige Beatmungsmethode NAVA (Neurally Adjusted Ventilatory Assist). Dabei handelt es sich um eine besonders schonende Art der künstlichen Beatmung. Das Beatmungsgerät misst die elektrische Aktivität des Zwerchfells, sodass das Kind den Zeitpunkt und die Intensität der Beatmung besser selbst steuern kann als bei bisher etablierten Verfahren. Aktuell läuft eine Evaluationsphase. Vor, während und nach dieser Zeit werden objektive und subjektive Parameter erhoben, um zu entscheiden, ob diese Therapieform auch am neuen Standort eingesetzt werden soll.
Beitrag zur nationalen Ernährungserhebung «menuCH-Kids»
Eine neue Studie des Bundes lieferte neueste Erkenntnisse zur Ernährung von Kindern und Jugendlichen in der Schweiz. Das Ostschweizer Kinderspital war mit der Abteilung Ernährungsmedizin und Unterstützung der Forschungsabteilung an der Erhebung «menuCH-Kids» beteiligt und trug damit zu den umfassenden Daten bei.
Familienzentrierte Pflege durch neuen Familienbeirat verstärkt
Seit 20 Jahren arbeitet der Fachbereich «Pflege und Betreuung» intensiv daran, die familienzentrierte Betreuung professionell umzusetzen und weiter zu entwickeln. Mit dem neu gegründeten Familienbeirat im Sommer 2025 stärkt das OKS die aktive Mitsprache von Familien und setzt ein wichtiges Zeichen auf dem Weg zu einer noch stärkeren, familienzentrierten Kinder- und Jugendmedizin. Die sieben Mitglieder des neuen Familienbeirates bringen sowohl ihre persönlichen Erfahrungen als Eltern von Patientinnen und Patienten als auch die übergeordnete Perspektive von Familien ein. Im Mittelpunkt steht der offene Austausch von Meinungen und Erfahrungen, damit Anliegen, Fragen und Verbesserungsvorschläge aus der Familiensicht frühzeitig in Projekte, Prozesse und Entscheidungen einfliessen können.
Initiator einer internationalen Studie
Thema: Hormontherapie bei männlichen Säuglingen mit einem angeborenen Hodenhochstand und einem zu kleinen Penis: Eine neue Möglichkeit, eine operative Korrektur der Hodenlage zu vermeiden und die späteren Vaterschafts-Aussichten zu verbessern?
Das Ostschweizer Kinderspital (OKS) ist zusammen mit Kooperationspartnern aus Grossbritannien, Schweden und Deutschland Initiator einer internationalen Beobachtungsstudie, unter der Federführung von PD Dr. med. Julia Rohayem. Das Projekt hat das Ziel, Jungen mit einem congenitalen hypogonadotropen Hypogonadismus (CHH), die durch einen Maldeszensus testis und einen Micropenis bei Geburt auffallen, so physiologisch zu behandeln, dass eine Normalisierung des äusseren Genitals erreicht wird und insbesondere ein operativer Eingriff entfallen kann. Die Hoffnung besteht, dass durch die rechtzeitige Hormontherapie während der sogenannten «Minipubertät» auch die Fertilität der Jungen für die Zukunft optimiert werden kann. Die Studie ist offen für alle Pädiatrischen Endokrinologen, die solche Patienten rechtzeitig, d.h. während der ersten Lebensmonate identifizieren. Die Daten werden im internationalen «sex development and maturation, SDM»- Register gesammelt.
Schwerpunkte
Die wichtigsten Kennzahlen im Überblick
Spitalleitung
Dr. med. Pascal Müller
Chefarzt Adoleszentenmedizin und Pädiatrischen Psychosomatik
pascal.mueller@oks.ch